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KUNSTVERANSTALTUNG "LACK AUF WAND" - RÜCKBLICK



Liebe Kundinnen und Kunden,
die Kunstveranstaltung LACK AUF WAND war in diesem Jahr ein voller Erfolg.
Im Hinblick auf Flächen, auf Medienecho und auf die Kunst an sich.
Rückblicke, Links auf Hörfunk und TV (BR-TV und Egofm), Fotos und
Neuigkeiten gibt es (auch weiterhin) auf www.lack-auf-wand.de.
Wir spinnen bereits jetzt fürs nächste Jahr rum?und freuen uns wieder drauf. Danke für die Berichterstattung, die Hilfe, die seelische Unterstützung und
die Mundpropaganda und bis hoffentlich bald,

Es grüßen,
Eva Karl (boris), Emanuel Jesse (emilone) und Phuc Huynh

www.lack-auf-wand.de

Integration statt Verbot: Neue Wege im Kampf gegen die Sprühdose
Im ostbayerischen Regensburg will eine private Initiative jetzt beispielhaft zeigen, dass man Graffiti künstlerisch in das Bild einer 2000-jährigen mittelalterlichen Stadt integrieren und gleichzeitig die Häuser vor ungewollten Graffitis schützen kann
Regensburg (obx) ? Mehr als 200 Millionen Euro Schaden entstehen in Deutschland jedes Jahr durch illegale Graffiti-Gemälde an Gebäuden und Verkehrsmitteln, schätzt der Deutsche Städtetag. Allein 2008 verzeichnet die Polizeistatistik rund 800.000 Anzeigen wegen unerlaubter Schmierereien. Mit vielen Mitteln hat Deutschlands Politik bereits versucht, den Kampf gegen die Spraydose zu führen ? bisher meist vergebens. Das ostbayerische Regensburg will nun neue Wege beschreiten, um die 2000-jährige Stadt vor unliebsamen Schmierereien zu verschonen: durch eine Initiative, die Sprayer mit einschließt und ihnen legale Möglichkeiten gibt, sich mit der Sprühdose auszutoben. Wenn das Projekt gelingt, könnte es zum Vorbild für viele andere von Graffiti geplagte deutsche Städte werden.
Graffiti wird für deutsche Verkehrsunternehmen und Hausbesitzer zunehmend zum Problem. Eine wirkliche Handhabe dagegen gibt es bisher kaum. Die Prävention durch ?graffitifeste? Fassadenanstriche funktioniert meist nur in entsprechenden Werbevideos. Und ein 2005 von der Bundesregierung beschlossenes Anti-Graffiti-Gesetz, das für Sprayer härtere Strafen vorsieht, entfaltet ebenso wenig Wirkung wie viele regionale Anti-Graffiti-Vereine in vielen deutschen Großstädten, die gegen die farbigen Verunstaltungen mobil machen.
Im ostbayerischen Regensburg will eine private Initiative jetzt zeigen, dass man Graffiti als Kunst sehr wohl in das Bild einer 2000-jährigen mittelalterlichen Stadt integrieren und gleichzeitig die Häuser vor ungewollten Schmierereien schützen kann. Der Schlüssel zum Erfolg dieses Modells soll der Dialog zwischen Politik und Stadtverwaltung auf der einen und den Graffitikünstlern auf der anderen Seite sein. ?Nur wenn wir alle Beteiligten an einen Tisch holen, werden wir Erfolg haben?, sagt Phuc Huynh, der Gründer der Regensburger Graffiti-Initiative.
?Das Problem in Regensburg bestand genau wie in vielen anderen Städten bisher darin, dass Graffiti nicht als Kunst akzeptiert wurde, sondern nur darüber diskutiert wurde, wie die Bestrafungen für die Sprayer aussehen könnten?, erinnert sich Projektinitiator. Gemeinsam mit dem Leiter der privaten Kunstakademie in Regensburg, Stefan Göler, initiierte er im September eine erste Podiumsdiskussion, bei der alle ? Sprayer, Politiker, Hausbesitzer, Bewohner ? ihre Positionen vortragen konnten.
Unerwarteten Rückenwind erhielt die Initiative, deren erstes Event unter der Überschrift ?24*7 Lack auf Wand? stand, aus der Politik: Der CSU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat Christian Schlegl, auch Mitglied im Bayerischen Städtetag, übernahm die Schirmherrschaft. ?Es ist nicht gerade ein Klassiker der konservativen Politik sich für Graffiti und Street Art einzusetzen?, weiß Schlegl. Und dennoch tue er es: ?In Regensburg hat die legale Organisation der Graffiti-Künstler eine lange Tradition. Bereits zu Beginn der 90er Jahre gründeten sich Clubs und Vereine zur Graffiti-Kultur. Legale Aufträge wurden vergeben, nach und nach auch von Seiten der Stadt und größerer Unternehmen?, sagt der CSU-Fraktionschef.
Die Regensburger Graffiti-Szene habe ihn durch politisches und soziales Engagement, Fleiß und Nachhaltigkeit ihrer Projekte und Visionen überzeugt, erklärt der Kommunalpolitiker: ?Die Regensburger Szene war mutig genug, aus dem Untergrund herauszutreten und sich dem Tageslicht öffentlicher Diskussion zu stellen. Das erfordert auch Zivilcourage und Einsatz.? Der CSU-Politiker will sich dafür stark machen, dass es in Zukunft immer wieder temporäre oder längerfristige legale Sprühflächen im Stadtbereich Regensburg gibt.
Phuc Huynh hofft, dass die Auftaktwoche einiges ins Rollen bringt: ?Wir wollen das Image der Graffiti verbessern und es aus der Illegalität herausholen?, erklärt er. ?Die Sprayer freuen sich, dass sie gehört werden, ernst genommen werden und auch sehen, dass sich etwas bewegt.? Die Initiative setzt dabei jedoch auch klare Grenzen: ?Wir unterstützen Kunst, nicht die lästigen Schmierereien an Hauswänden.? Ein erstes Beispiel dafür gibt es bereits: Im Rahmen der diesjährigen Aktionswoche besprühten Graffiti-Künstler die Außenwandflächen der Blindenschule in Regensburg ? mit speziellen haptischen Elementen, die Graffiti-Gemälde erstmals für Nichtsehende erlebbar macht.
Für die Zukunft hat die Initiative große Pläne. In den nächsten Monaten wollen Phuc Huynh und seine Mitstreiter versuchen, neben der so genannten 24-Stunden-Galerie am Regensburger Europakanal, neue Plätze für die Graffiti-Kunst zu finden. ?Genügend Flächen wären problemlos vorhanden, denn es gibt sehr viele Gebäude die in ein oder zwei Jahren abgerissen werden ? ein echtes Potenzial für die Sprayer?, sagt Initiator Huynh. Auf dem Gelände der stillgelegten Regensburger Zuckerfabrik seien bereits erste Flächen gefunden. Zusätzlich will der Verein versuchen, in der Breite zu wirken: indem über die Sportvereine die Jugend von Anfang an mit in die Graffiti-Kunst eingebunden wird ? nach dem Motto ?Integration statt Verbot?.
Phuc Huynh hofft, mit der Regensburger Initiative vielen anderen deutschen Städten ein Vorbild sein zu können: ?Wir selbst möchten unsere Aktion in Deutschland ausweiten und anderen Städten dabei helfen, eine ähnliche Initiative auf die Beine stellen zu können?, sagt Phuc Huynh, der im Hauptberuf Inhaber einer Webhosting-Agentur in der Domstadt ist.

quelle: www.obx-news.de | Ostbayern EXTRA

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